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ARTIKEL zum Thema Herpes

Lokale Herpes-Therapie beginnt vor der Hautzelle

(helloarticle.com/de) - Neue Studie bestätigt extrazelluläre Rezeptorblockade mit Melissenextrakt

Bei einer 90-prozentigen Durchseuchung der europäischen Bevölkerung mit Herpes simplex-Viren und einer jährlichen Inzidenz von ca. 5–24 symptomatischen Fällen pro 100 Einwohner stellt sich immer wieder die Frage nach der effektivsten Therapie. Speziell Herpes simplex-Virus Typ I (HSV-I) ist weit verbreitet und belastet Betroffene durch typische Infektionen von Epithelzellen der Haut und assoziierter Neuronen in der Mundregion. Für die Behandlung der cutanen Herpes simplex-Infektionen sind heute zwei Therapieansätze relevant: zum einen die intrazelluläre Replikationshemmung als Wirkprinzip der Nucleosidanaloga, und zum anderen die extrazelluläre Rezeptorblockade durch wässrigen Melissenextrakt. In oder vor der Zelle therapieren? Eine neue Untersuchung des Instituts für Virologie der Universität Heidelberg1 weist nach, dass ein Rezeptorblocker vom Typ des Melissenextraktes zur topischen Therapie und Prävention lokaler Herpes-Infektionen besonders geeignet ist. Die in unterschiedlichem Maß Resistenzen induzierenden Nucleosidanaloga sollten der systemischen Therapie bei Generalisierung vorbehalten bleiben.

Die Erstinfektion mit Herpes simplex findet regelmäßig in der Kindheit statt. Im Anschluss tritt eine Latenzphase mit Persistenz des viralen Genoms in den Spinalganglien ein. Das Virus kann in der Folge durch exogene Provokationsfaktoren wie Bagatelltraumen, immunsuppressive Medikation, endogene Stressfaktoren, aber auch durch UV-Bestrahlung reaktiviert werden. Zur Alpha-Gruppe der acht Arten humaner Herpes Viren gehören Herpes simplex-Virus Typ I (Mundtyp) und Typ II (Genitalregion) sowie das Varizella Zoster Virus (VZV). Sie führen zur typischen Infektion von Epithelzellen der Haut und assoziierten Neuronen. Herpes-Viren weisen in einem icosaedrischen Kapsid eine lineare Doppelstrang-DNA auf. Das Virus ist von einer rezeptordurchsetzten Membran umgeben und breitet sich über Zell-Zell-Kontakte bei Tröpfcheninfektion aus. HSV-I-Infektion sind am weitesten verbreitet. Die Infektion spielt sich im Wesentlichen im Lippenbereich und Umgebung ab. Eine amerikanische Studie beobachtete endogene Re-Infektionen bei ca. 30% der infizierten Patienten, die rekurrierende Infektionsrate liegt bei ca. 1%.

Herpes-Therapie: Virusreplikation verhindern

Für seine Replikation muss das Herpes simplex-Virus Wirtszellen rekrutieren. Bei der Virusadsorption an die Wirtszelle docken Herpes-Viren mittels spezifischer Rezeptoren an die Epidermiszelle an. Erst nach Penetration in die Wirtszelle kommt es zur Entfernung des Virusmantels und zur Virusreplikation. Die Therapie der lokalisierten Herpes-Infektion zielt im Wesentlichen auf das Hemmen der Virusausbreitung und der Wirtszellzerstörung ab.

Bei der intrazellulären Replikationshemmung - das Wirkprinzip der Nucleosidanaloga – wird ein „falscher Baustein" eingesetzt, der Herpes-DNA-Polymerase hemmt und zum Abbruch neuer Virus-DNA-Ketten führt. Als Folge wird die Anzahl neuer, infektionsfähiger Viren in der Zelle reduziert. Verbleibende Viren können jedoch weiter penetrieren. Problematisch ist, dass intrazellulär wirksame Nucleosidanaloga vom Typ des Aciclovir in unterschiedlichem Maße Resistenzen induzieren3. Eine niederländische Studie zeigt 2005, dass die Resistenzen-assoziierten Mutationen des viralen Thymidin-Kinase-Gens bei Immunkompetenten mit knapp 0,3% noch niedrig, bei immunsupprimierten HIV-Patienten mit 7% jedoch hoch sind.

Melissenextrakt eignet sich besonders gut für die lokale Herpes-Behandlung

Bei der extrazellulären Rezeptorblockade – das Wirkprinzip von wässrigem Melissenextrakt – kommt es zur Hemmung der Virusadsorption in die Zelle. Im Idealfall wird damit eine Zerstörung potentieller Wirtszellen vermieden und dem Virus keine Chance zur Vermehrung gegeben. 1978 wurde erstmals in einer experimentellen Untersuchung an Zellkulturen nachgewiesen, dass das Ausbreiten von HSV durch verschiedene Pflanzenextrakte und insbesondere wässrigen Melissenextrakt gehemmt werden kann. Der Plaquetest zeigte, dass Melissenextrakt dosisabhängig eine nahezu vollständige Protektion der Zellen erreicht. Flüssigkeitschromatographisch ergaben sich Hinweise, dass die Wirksubstanzen im wässrigen Melissenextrakt im wesentlichen Rosmarinsäure, Kaffeesäure und Chlorogensäure - also Polycarbonsäuren - sind.

In einer aktuellen Untersuchung am Institut für Virologie der Universität Heidelberg1 wurde die antivirale Wirkung wässriger Lamiaceen-Extrakte auf HSV-I und HSV-II an sechs Pflanzen (Braunelle, Melisse, Pfefferminze, Rosmarin, Salbei, Thymian) untersucht. Wiederum waren Rosmarinsäure und Kaffeesäure wesentliche „Fingerprints". Vergleichend wurde Aciclovir untersucht. Im Plaque-Reduktionsassay fand sich für den wässrigen Melissenextrakt im Vergleich zu den übrigen Pflanzen eine signifikante Plaquereduktion um 35% für HSV-I und um 47% bei HSV-II gegenüber der Kontrolle. In einem weiteren Ansatz wurden die Pflanzenextrakte unmittelbar vor Aufbringen auf die Zellkulturen mit Virus versetzt. Nach Inkubation mit den Wirtszellen verursachte dies in mehrfachen Testungen einen Abfall der Plaquebildung um rund 90% für Melisse. Im Vergleich dazu war Aciclovir ohne Einfluss.

Die Untersuchungen der Heidelberger Arbeitsgruppe bestätigen deutlich, dass die HSV-Penetration in Wirtszellen durch Melissenextrakt signifikant gehemmt wird. Nur freie, extrazelluläre Viren reagieren empfindlich auf die wässrigen Pflanzenextrakte. Sie werden vor der Adsorption in die Wirtszelle inaktiviert, nicht aber nach Penetration in die Zellen. Sie eignen sich somit besonders gut für die lokale Behandlung der Herpes-Infektion.

Resumee: Die Rezeptorblockade durch Melissenextrakt und damit die Abwehr vor der Zelle ist zur topischen Therapie und Prävention lokaler Herpes-Infektionen ideal. Replikationshemmende Nucleosidanaloga sollten vorrangig der systemischen Therapie bei Generalisierung vorbehalten bleiben - insbesondere auch für Patienten mit Immundefekten - und nicht zur externen oder präventiven Therapie bei rezidivierendem Herpes eingesetzt werden, um die Resistenzentwicklung zu vermeiden.

Über den Autor:
Dr. med. Rainer H. Wölbling Leitender Arzt der Johann-Wilhelm Ritter-Klinik Dermatologische Akut- und Reha-Klinik Parkstraße 35 - 37 49214 Bad Rothenfelde

Quelle: Helloarticle.com/de

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